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Im Buch «Ansichten vom Göttlichen. 22 Jugendliche.» werden in 22 Aufzeichnungen die zentralen Dimensionen der Religiosität gezeigt und anhand von Beispielen verdeutlicht: Die Bedeutung des persönlichen Gebets, die Fragen eines Weiterlebens nach dem Tod, der Einfluss der Religion auf ethische Entscheidungen und die verschiedenen Formen der religiösen Erfahrung.
Warum überhaupt dieses Buch? Das öffentliche Bild der Religiosität der Jugendlichen wird von exotischen oder fundamentalistischen Formen einer Minderheit geprägt. Im Gegensatz dazu wird die grosse Mehrheit der Jugendlichen als völlig areligiös dargestellt. Je nach dem, welche der beiden Gruppen im Zentrum des Interesses steht, fallen die Projektionen auf die Jugend anders aus: Die Spanne reicht vom Verschwinden der Religion durch das Nachrücken einer religionslosen Jugend bis zu den jugendlichen Trendsettern eines spirituelleren Zeitalters.
Werden religiöse Jugendliche dargestellt, werden meist vormoderne Auslaufposition, religionsproduktive Erneuerung oder fundamentalistische Bedrohung beschrieben. Kommt hinzu, dass sich etwa offenherzig-naive Rückwärtsgewandtheit, neuheidnische Formen oder religiöser Fundamentalismus einfach darstellen lassen. Dies erklärt auch die überproportionale Medienpräsenz von fundamentalistisch-religiösen Jugendlichen, Organisationen und Events. Daraus entsteht der Eindruck, Religion sei unter den Jugendlichen ein sonderbares Minderheitenphänomen. Hier schaffen die Aufzeichnungen in «22 Jugendliche. Ansichten vom Göttlichen.» einen Kontrast zu bereits publizierter Literatur im Bereich von Jugend und Religiosität. Das Buch lässt bewusst «Mainstream-Jugendliche» zu Wort kommen und sucht nicht nach jungen Menschen mit Extrempositionen. Denn die religiösen Extreme sind nur vermeintlich originell, meist sind sie der mehr oder weniger eloquente Ausdruck von theologischen Stereotypen.
Im Buch enthalten sind Jugendliche die versuchen, sich selbst Antworten auf die Sinnfragen zu geben – mit all den Widersprüchlichkeiten, die aus diesen eigenen Bemühungen entstehen. Dadurch zeigen sich just jene genuin religiösen Widersprüche, welche bei einem dogmatischen Zugang bekämpft werden.
In den Porträts zeigt sich Überraschendes: Denkfiguren und religiöse Inhalte, wie etwa ein meist unpersonales Gottesbild, sind quer durch alle Konfessionen und Religionen zu finden. Fast alle Jugendlichen betonen die Relativität ihrer religiösen Einstellungen und das Verbindende zwischen den Religionen. Religion ist für die Jugendlichen primär eine persönliche Hilfe in schwierigen Situationen und nur in Einzelfällen die Motivation zu solidarischem Handeln. Aus den religiösen Vorstellungen leiten die Jugendlichen – ausser einer allgemeinen Humanität – kaum ethische Forderungen ab.
Auch die Jugendlichen, die sich selbst als sehr religiös bezeichnen, kennen kaum mögliche «Schattenseiten» der Religion: Nagende Zweifel oder angstbesetzte Gottesbilder sind den Jugendlichen biographisch ebenso fremd wie religiöse Zwänge. Zu den erstaunlichsten Befunden zählt die Tatsache, dass viele Jugendliche die religionskritischen Thesen des 19. Jahrhundert in ihre religiösen Vorstellungen integrieren und ausdrücklich betonen, sie würden sich ihren Gott selbst schaffen, um das Leben besser bewältigen zu können. Ob es diesen Gott wirklich auch gibt, ist meist zweitrangig.
Der Einfluss der Konfession auf Glaubensinhalte ist bei den christlichen Jugendlichen gering. Die Unterschiede zwischen den Religionen zeigen sich nicht primär in den Inhalten sondern in der praktischen Lebensführung, wie etwa der Beachtung von Speisegeboten bei den nichtchristlichen Jugendlichen – diese werden aber eher religionsgeschichtlich denn theologisch begründet.
Die porträtierten Jugendlichen sind im Alter von 16-24 Jahren und stammen aus urbanen und ländlichen Gegenden. Es werden zehn männliche und zwölf weibliche Jugendliche porträtiert. Die Auswahl der Vorstellungen, Religionen und Konfessionen ist eine Annäherung an die Verteilung im deutschsprachigen Schweiz: atheistisch, theistisch oder agnostisch denkend; konfessionslos, katholisch, reformiert, orthodox, jüdisch, islamisch, buddhistisch oder hinduistisch.
Alle Weltreligionen sind in unserer Gesellschaft präsent. Welche Rolle die Religion bei den Fragen rund um Identität und Zugehörigkeit für Jugendliche spielt, wird in den Medien und der Wissenschaft breit diskutiert. Deshalb sind für das Projekt die Aussagen von nicht-christlichen Jugendlichen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund von besonderem Interesse. Die meisten von ihnen leben ihre Religion selbstbewusst und verstehen sich gleichzeitig als Teil der Mehrheitskultur.
Das Buch ermöglicht einen Einblick in die Realitäten von Jugendlichen. Die Aufzeichnungen versuchen, das in den geführten Interviews Erzählte ungefärbt wiederzugeben. Die Intimität des Themas und das Alter der Porträtierten erforderten eine sorgfältige und transparente Arbeitsweise. Alle Porträts wurden von den Jugendlichen gegengelesen.
Oliver Demont (* 1977 in Zürich), ist Journalist und studiert am MAZ in Luzern. Lehre beim Schweizerischen Studentenreisedienst SSR, danach Maturitätsschule für Erwachsene in Zürich und Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit einer Jugendberatungsstelle in Zürich. Heute Redaktor bei der Zürichsee-Zeitung und freier Journalist (u.a. Beobachter). Seine besonderen Interessen gelten Jugendkulturen und jugendästhetischen Ausdrucks- und Identitätsformen. Lebt in Zürich.
Dominik Schenker (* 1965 in Baden), studierte Theologie, Philosophie und klinische Psychologe in Zürich und Fribourg. Danach war er Forschungsassistent mit dem Schwerpunkt Religionspsychologie am Departement für Erziehungswissenschaften in Fribourg. Heute arbeitet er teilzeitlich als Co-Leiter der deutschschweizerischen Fachstelle für kirchliche Jugendarbeit, in der Forschungsund Entwicklungsabteilung des Büro-West, Luzern und als freier Fotograf. Seine Fotografien wurden an Wettbewerben prämiert und waren in Ausstellungen und in Printmedien zu sehen. Dominik Schenker zeichnet für die wissenschaftliche Begleitung und die Porträtfotografie verantwortlich.
» Vorschau Frühjahr 2009 Salis Verlag als pdf hier
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Kontakt : info [at] zweiundzwanzig [punkt] ch